Debattennotizen
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Gedanken zur #MeToo Debatte

Mehr als eine Millionen Menschen benutzten #MeToo; gleiches geschah bei #Aufschrei und doch möchte man aufschreien gegen all das laute Getöse, welches das Schweigen all der missbrauchten Kinder, Frauen und Männer förmlich zum bersten bringt.
All diese Ignoranz missachtet, dass weder ein öffentlicher Aufschrei, noch Hashtags das faktische Leid der Menschen auch nur berühren können.
Versteht mich nur falsch. Ich erkenne die Wichtigkeit der Debatte durchaus an, doch streift sie in einer Beharrlichkeit an der Oberfläche. Ein jeder Satz, eine jede Berührung kann zu einem Aufschrei führen, ist dies doch der reinen Symbolpolitik geschuldet, die sich den Problemen einer grundsexualisierten Gesellschaft gar nicht annehmen kann, ist sie doch auf den gleichen Fundamenten gebaut.
Ja, es gibt die sexuelle Belästigung in Wort und Tat, vorkommend vor allem in hierarchischen wirtschaftlichen Verhältnissen, doch eine Grundbesinnung auf die Tugenden des Anstandes würde der Übersexualisierung der Gesellschaft eine Schranke entgegensetzen.

Doch gibt es vor allem den sexuellen Missbrauch an Kindern, Frauen und Männern, gibt es weiterhin die sexuelle Nötigung. Beides Taten, die die Überlebenden sprachlos machen, sie dermaßen an eine lebensbedrohliche Situation bringen, dass die Erinnerungen an diese Taten für Jahre verschwinden können – aus Schutz, aus Unbegreifen, aus Angst!

Nicht jedes Schweigen muss mit der Lautstärke eines Aufschreis unterbrochen werden. Ein Schweigen kann all die Worte ersetzen, die ohnehin keinen Wert hätten; kann ein Bewusstsein schaffen, als Ausdrucksmittel des Unbegreiflichen, welches immer noch tagtäglich stattfindet und nicht erhört wird.

Die Ebenen müssen auseinander gehalten werden: Auf der einen Seite das dröhnende Schweigen der Überlebenden, die noch nicht sprechen können, weil uns als Gesellschaft die Worte fehlen. Auf der anderen Seite der oftmals in Voyeurismus ausartende Versuch einer ideologischen Verschmutzung von reellem Sexismus.

Nehmt Eure vielen Worte, Eure Hashtags, um einen neuen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu beginnen, um den Überlebenden von sexueller Gewalt die Worte wieder zu geben.

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