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Die Rückkehr zur Normalität im Kriegszustand – Arno Geigers „Unter der Drachenwand“

Erhielt Arno Geiger im Jahr 2005 noch für „Es geht uns gut“ den Deutschen Buchpreis, so brachte Geiger Anfang des letzten Jahres erneut einen fulminanten neuen Roman heraus, der in den Feuilletons der deutschen Zeitungen für lange Zeit Gesprächsthema und Interessenpunkt war.

An der Drachenwand im Jahr 1944 spielt der neue Roman des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger. Der junge Veit Kolbe reist zum Mondsee, um sich von den Schrecken des Krieges zu erholen. Wie eine Atempause liest sich auch das Buch, in dem ganz bewusst die Ambivalenz des Krieges inszeniert wird. Zwischen Krieg und Idylle befindet sich die Kulisse, befinden sich alle Figuren. Allen voran Veit Kolbe, der mehr mit seinen Erinnerungen aus dem Krieg zu kämpfen hat, als mit den äußeren Gefahren. Findet man diese stete Ambivalenz bei dem Hauptprotagonisten, verweist Geiger mit strenger Beharrlichkeit auch auf die innere Widersprüchlichkeit der anderen Figuren, die keine absoluten Meinungen vertreten und sich gerade deshalb dem Roman auf künstliche Weise anpassen. In jedem Satz kommt die Mitteilung des Werkes zum Vorschein; die Atempause, das Gefühl des Abwartens. Zurückgenommen ist der Krieg, und doch in jeder banalen Alltagshandlung vorhanden. Das Medium des eigenen Schreibens als Zwischenton, als Heilmittel spielt somit nicht nur für Veit Kolbe – der uns die Geschichte auf diese Weise erzählt – eine wichtige Rolle. Auch unbekannte Personen im Buch bedienen sich seitenlanger Briefe, so dass nicht nur die Bewohner des Mondsees zu Wort kommen können, sondern der Blick auch auf andere Teile des Reiches gelenkt werden kann. In steter Behutsamkeit entwickelt sich schließlich noch eine Liebesgeschichte, die trotz aller Zurückgenommenheit ein Zuviel an allem doch nicht übersehen lässt. Letztendlich ist es ein Liebesroman, der es nicht versäumt zeitgeschichtliche Elemente hineinzubringen, welche nicht immer zurückgebunden sein können, in einer Geschichte, die Ruhe ausströmen soll und doch in keinem subtilen Ton gehalten ist.

 

Arno Geiger
Unter der Drachenwand
Hanser Verlag 2018
480 Seiten
26,00 Euro

screenshot_2019-01-07 ronja literaturblog ( ronja waldgaenger) • instagram-fotos und -videos

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