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Das Zeitalter der Moderne – das Zeitalter der Neurasthenie

Florian Illies – neuer Verleger des Rowohlt Verlags – brachte vor sieben Jahren sein Buch „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ heraus und begeisterte damit endgültig das Publikum als begabter Autor. Ende 2018 löste er wieder einen Aufschrei aus – aus Freude oder Empörung? Da ist sich das Publikum bis heute noch unsicher, aber spätestens während der Anschlusslektüre „1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte“ wird dies wohl vollkommen nebensächlich. Denn ob sinnlose Weiterführung eines abgeschlossenen Romans oder erweiterter Einblick in das Jahr 1913, auch sein neues Buch lässt wieder mit viel Charme, Witz und Details in das Jahr 1913 hineinschauen und wagt dieses Mal sogar den Blick außerhalb Europas.
Wie schon im ersten Band nimmt Illies den Leser wieder mit zu den Protagonisten des Jahres, erzählt aus deren Tagebüchern, Büchern, Briefwechseln und sonstigen Quellen, dessen Herkunft nicht so deutlich aber auch nicht so wichtig erscheinen. Wichtig erscheint ihm allerdings, alles in einen großen Zusammenhang zu bringen und so wird aus kleinen Geschichten ein volles Jahr aus unendlich vielen bekannten Namen und unendlich viel Absurdität, die entweder in der Moderne, den Protagonisten oder dem Autor ihren Ursprung finden. Vergessen werden die meisten Sätze dann aber doch wieder, denn wie die Figuren, so hetzt auch Ilies durch die Tage und Monate und hinterlässt dem Leser eine kleine Ahnung von dem, was vor dem Krieg in Mensch und Großstadt vor sich ging.
Der kritische Leser könnte verstimmt sein über die Ansammlung der Anekdoten, die nie zu enden scheinen. Sei es die Geschichte über Kafka, der nun aus Angst vor Else Lasker-Schüler seine Felice Bauer fast vergisst oder die Erzählungen all der anderen Figuren, die in diesem Jahr und Jahrhundert gefangen waren. Doch der Leser könnte sich auch ebenso gut zurücklehnen und den Geschichten über Freud, Hesse, Stalin, Musil und Co., in all seinen ironischen Tönen lauschen und sie genießen. Denn eines ist sicher: Für ernsthafte Lektüre wird in diesem Büchlein genügend Anreiz geboten.

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