Franz Kafka – Die Verwandlung

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ – dieser bekannte erste Satz der Weltliteratur leitet die nüchterne und sachliche Erzählung über eine Ausnahmesituation ein. Der Protagonist Gregor Samsa schildert selbst in drei Erzählabschnitten seine Verwandlung, das Zusammenleben als Ungeziefer im Hause der Familie und die fortschreitenden Isolierung mit seinem Niedergang. „Die Verwandlung“ von Franz Kafka wurde 1912 geschrieben und 1915 erstmals veröffentlicht. Sie ist somit die längste und wohl bekannteste Erzählung Kafkas, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht worden ist. Bis heute bietet sie Raum für verschiedenste Interpretationsansätze. Der Herausgeber seiner Werke Hans Brod legte Kafkas Werke religiös aus und sah auch in diesem Werk religiöse Motive. Die psychoanalytische Auslegung der Werke durch die Freudianer, die in der Novelle einen Vater-Komplex sehen, ist ebenso verbreitet, wie eine soziologische Deutung der Familie Samsa. Nicht abzustreiten ist, dass der Protagonist sich an eine Normalität klammert, während vor seinen Augen die Fassade der heilen Familienwelt zu bröckeln beginnt. Erst durch die Verwandlung wird das Konstrukt der Familie Samsa dem Leser durch Gregor sichtbar, bleibt diesem aber weiterhin verborgen, wenngleich sein innerlicher wie äußerlicher Verfall im Laufe der Erzählung fortschreitet. Bis zum Ende der Erzählung findet keine innere Verwandlung statt. Er klammert sich an das harmonische Familienbild und vergeht langsam an Sehnsucht nach Anerkennung und Menschlichkeit, während die Familienmitglieder gleichzeitig neuen Lebensmut fassen und in Gregor immer mehr ein „Untier“ sehen, dass es loszuwerden gilt. In Annahme dieses Satzes stirbt Gregor Samsa, ohne sich von seinem inneren Bild lösen zu können. Die Erzählung bietet einen ebenso surrealen wie realistischen Blick hinter zwischenmenschliche Machtverhältnisse.

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