Und überall Philosophie – Ger Groots Ritt durch Zeit

Ein Ritt durch 400 Jahre Philosophiegeschichte, ein Seitenblick auf die Kunst, geschrieben von einem Professor der Philosophie – das klingt für die meisten Leser nach trockener Lektüre. Doch mitnichten. Ger Groot hat ein Standardwerk verfasst, in dem die Grundzüge der Philosophiegeschichte der Moderne anschaulich und anhand ihrer großen Denker in 23 Kapiteln mit zahlreichen künstlerischen Werken nachgezeichnet werden. Die Selbstermächtigung des Subjekts als Grundzug der Moderne und deren Spuren und Folgen für die Kultur, ziehen sich als roter Faden durch das Handbuch, ohne dabei die Grundfragen der Philosophie zu vergessen. Unerfahrene Leser werden durch prägnante Sätze u.a. an Descartes und Hegel herangeführt, philosophieinteressierte Kunstliebhaber- und historiker werden dabei aber stehengelassen. Die Illustrierungen dienen mehr zur Untermalung als zur tieferen Auseinandersetzung der philosophischen Wirkung auf die Kunst. Der niederländische Originaltitel mit der Frage: „Wie der moderne Mensch wurde, wie er ist.“ trifft das Anliegen des Werkes weitaus besser als der deutsche Untertitel: „Das Denken der Moderne in Kunst und Popkultur.“ Auch wenn die Kunst zu rudimentär behandelt wird, sensibilisiert Ger Groot den Leser auf die Frage nach der Rolle des Menschen. Dass Gott als Mittelpunkt aus dem menschlichen Blick verschwindet, ist in Kunst und Kultur ebenso nachvollziehbar, wie in den Sätzen Nietzsches, Schopenhauers und Heideggers. Dass der Mensch sich in einem Strudel befindet und mit seiner Selbstermächtigung jeglichen Halt verloren hat, zeigen nicht nur die Kunstwerke der klassischen Moderne hervorragend, sondern ebenso Literatur und Musik.
Wer sich den großen Denkern, den Spuren des Zweifelns und Ringens der Moderne und den Gesprächen der Philosophie nähern möchte, sich aber zuvor nicht an die vermeintlich trockenen Werke gewagt hat, dem sei diese kluge und anschauliche Lektüre durchaus empfohlen. Als Einstiegswerk, das weder trivial noch populärwissenschaftlich sein will und dennoch den Blick aus dem Elfenbeinturm zeigen möchte, ist dieses Werk durchaus authentisch.

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