Marc-Uwe Kling und Astrid Henn: Der Ostermann

Der Erfinder des Kängurus Marc-Uwe Kling und die Illustratorin Astrid Henn erfreuten schon mit dem „Popelkopf“. Auch mit „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“ und das „Nein-Horn“ griffen sie auf gängige Klischees zurück, die es aufzulösen galt. So auch in dem zweiten Gemeinschaftsprojekt „Der Ostermann“.
Der Sohn, der nicht in die Fußstapfen des Vaters treten will, ist ein bekanntes Problem. Nur handelt es sich beim „Ostermann“ um den Sohn des Weihnachtsmann, der nichts mit Winter, Schnee und Schlitten anfangen kann und sich nach dem Frühling sehnt. Die Arbeit des Osterhasen erscheint ihm viel stimmiger, was er auch mit klugen Argumenten seinen Eltern vermitteln möchte. Wütend und ohne Verständnis für den Sohn, erklären sie ihm die Wichtigkeit von Traditionen und Verantwortung. Mit einer kleinen List, gelingt es aber am Ende doch und der Sohn verwirklicht seinen Traum und wird später zum Ostermann.
Humorvolle kurze und längere Reime führen durch die Geschichte und stehen neben einfachen Zeichnungen der Figuren, die mit Präzision im Detail illustriert sind und so zu ganz eigenen Charakteren werden. Phantasievolle Zeichnungen von Rentieren, die stricken und Hühnern auf Schlittschuhen, vermitteln den Inhalt des Buches zwar kindgerecht, stehen aber neben Zeichnungen von Wichteln, die Schilder hochhalten, auf denen „Mindestlohn“ und „Mehr Weihnachtsgeld“ steht. Auch weitere Anspielung aus dem realen Leben lassen erkennen, dass die Zielgruppe des Buches aus den Augen verloren wird. Facebook-Likes, eine 35-Stunden Wochen und Verweise auf zu viel Fleischkonsum, sind zwar effektvoll, für Kinder aber unverständlich. Das Buch will auf witzige Art mit gängigen Klischees aufräumen, vermittelt aber eher Unverständnis und ein Eltern-Kind Bild, das nicht auf Kommunikation aufbaut. Auch wenn die gesellschaftskritischen Anspielungen in bezaubernden Illustrationen eingebunden sind, wirken sie in einem Kinderbuch fehl am Platz. Eltern, die die Känguru-Bücher genießen konnten, werden auch mit diesem Kinderbuch viel Spaß haben. Und auch Kinder werden auf Ihre Kosten kommen, wenn Ihnen auch die tiefere Handlungs- und Symbolebene verborgen bleibt.

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