Vicki Baum: Vor Rehen wird gewarnt

Weshalb schleicht sich eine intelligente, reizende und interessante Frau heimtückisch in das Leben anderer Menschen hinein und zerstört dieses? Ist es eine weibliche Reaktion auf gesellschaftliche Zustände, ein neurotischer Zwang, ein Kindheitstrauma, schlichte Amoralität oder doch eine kluge und leise Umwandlung von bestehenden Machtverhältnissen?

Vicki Baum porträtiert ein Bild der Frau, das Anfang der 50er Jahre in der Öffentlichkeit nicht vorkommt. Die Protagonistin Ann Ambros agiert rührend, zart und schelmisch. Ebenso geht sie aber manipulativ, zerstörerisch und kontrollierend vor, setzt Masken auf und nimmt verschiedene Rollen ein, um das zu bekommen, was sie möchte.

Vicki Baum ist bekannt für ihre psychologische Beobachtungsgabe. Auch in diesem weniger bekannten Werk spielt sie bewusst mit den Beziehungen und Schicksalen der Menschen. Sie erschafft ein detailreiches Gewebe der Protagonisten und Handlungen, das moralisch kaum zu fassen ist. Dabei entwirft sie ein realistisches wie authentisches Menschenbild, dessen Zeichnungen nicht an der Oberfläche verharren, sich aber weder in Gedanken noch psychologischen Bildern verirren.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich für den Instagram-Kanal des Arche Verlags

[Werbung (unbeauftragt/unbezahlt), da Rezensionsexemplar und Verlinkung]

Vicki Baum
Vor Rehen wird gewarnt
Übersetzt von Carl Heinz Ostertag
Arche Verlag 2020
416 Seiten
24€

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