Lutz Seiler: Stern 111

Dem Autor des Buchpreis prämierten Romans „Kruso“ ist auch mit seinem neuen Werk „Stern 111“ ein magischer wie politischer Roman gelungen, der Widersprüche und Übergänge der Wendemonate in einzigartiger Weise und phantastischer Sprache erscheinen lässt. Vom altbewährten, dynamischen „Wenderoman“ lässt Lutz Seiler nicht viel übrig und brilliert gerade deswegen. In einer gekonnten Langatmigkeit spannen sich die Ereignisse auf und kontrastieren damit die historische Schnelligkeit des Jahres. Carl, dessen Eltern in den Westen gehen, verlässt ebenfalls seine Heimatstadt Gera und bricht orientierungslos nach Berlin-Mitte auf, um dort vom „Rudel“, einer Stadtguerilla, gefunden und aufgenommen zu werden. Berlin wird für den heimatlosen Arbeiter und Dichter nicht nur visionärer Ort zwischen der neuen und alten Welt, sondern hält utopische Schauplätze und wundersame Momente in einer Zeit bereit, in der Freiheit das Gebot der Stunde ist und Hoffnung und Enttäuschung eng beieinander liegen.


Dieser Beitrag ist in der Herbstausgabe (02/2020) des schönerlesen Magazin erschienen. Hier als PDF öffnen

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