Monika Maron: Artur Lanz

Monika Maron, die große Schriftstellerin, die DDR-Dissidentin und Querdenkerin.

Die Biographie von Maron ist so vielseitig wie die Meinungen, die über sie kursieren. Sie greift diesen Zwiespalt gekonnt in ihrem neuen Buch „Artur Lanz“ auf und erfindet eine Erzählinstanz, die auffällig viele Ähnlichkeiten zu ihr selbst hat.

Die Protagonistin Charlotte Winter lernt zufällig den zwanzig Jahre jüngeren Artur Lanz kennen. Dieser verzweifelt nach einer selbstlosen Tat an seinen ansonsten mutlosen Handlungen im Leben, die im Widerspruch zu seinem Namen stehen. Dadurch angeregt, beginnt die pensionierte Lektorin über Helden in einer postheroischen Zeit nachzudenken. Ihrer eigenen Verbitterung strotzend, nutzt sie dieses Thema, um sich polemisch über Land und Leute zu äußern und allerlei Denk- und Sprechtabus in ihrer eigenen gesellschaftlichen Blase zu offenbaren.

Ein provokantes Spiel mit gesellschaftlichen Themen ergibt sich, das die Frage von einer freien Debattenkultur ebenso verhandelt wie die Relevanz von Courage. Wenig überzeugend entsteht dabei aber ein eintöniger Bericht, der sowohl die Figuren als auch deren Aussagen blaß und eindimensional wirken lässt. Damit karikiert sie zwei Gesellschaftsgruppen und spielt sie gegeneinander aus: Die, die sich über die Aussagen empören werden und jene, die sich die Aussagen selbst aneignen werden.

Somit würde das Buch ein Appell sein, um Missstände in der Gesellschaft anzusprechen und ins Bewusstsein zu rücken. Es könnte auch die Möglichkeit bereithalten, sich mit verschiedenen Positionen auseinanderzusetzen und Wege für verschiedene Antworten vorzubereiten.

Die eigenartige Unterkomplexität und Pauschalitiät, die sich durch den ganzen Roman zieht, legt aber auch den Verdacht nahe, Maron käme zu dem Entschluss, dass heute nur noch Polemik und Sarkasmus möglich wäre und Literatur dazu diene, seine Meinungen zum Maß aller Dinge zu erheben.

Diese Mehrdeutigkeit der Interpretation zeigt wohl letztendlich das Wesen der Literatur. Denn Kunst bietet die Möglichkeit eines offenen Debattenraumes, in dem argumentiert und kritisiert, aber niemals mit einem Anspruch auf Allwissenheit denuziert werden darf.

[Werbung (unbeauftragt/unbezahlt), da Rezensionsexemplar und Verlinkung]

Monika Maron
Artur Lanz
S. Fischer Verlag 2020
224 Seiten
24€

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