Autor: ronja.waldgänger

Blogprojekt >Literaturmonat<

Neben den regelmäßigen Rezensionen von Gegenwartsliteratur, Klassikern und Sachbüchern, lege ich im Literaturmonat den Fokus auf ein ganz bestimmtes Thema. Passend zum Zeitgeschehen, persönlichem Interessengebiet oder einfach nur weil gewisse Bücherregalecken auch einmal Beachtung finden wollen. Am Anfang des Monats wird eine Rubrik bekannt gegeben, um dann die nächsten vier Wochen einen intensiven Blick auf verschiedenste Werke eines Themenbereiches zu legen.

Stefan Zweig Sternstunden der Menschheit. Vierzehn historische Miniaturen

»So furchtbar rächt sich die große Sekunde, sie, die selten in das Leben der Irdischen niedersteigt, an dem zu Unrecht Gerufenen, der sie nicht zu nützen weiß. […] Verächtlich stößt er den Zaghaften zurück; Einzig den Kühnen hebt er, ein anderer Gott der Erde, mit feurigen Armen in den Himmel der Erde empor.« Stefan Zweig, Sternstunden der Menschheit Vor einem guten Jahr erschien – endlich, möchte man hinzufügen – die Neuausgabe von Stefan Zweigs »Sternstunden der Menschheit« mit den Illustrationen von Jörg Hülsmann. Ohne es vorweg nehmen zu wollen, aber hier ist dem S. Fischer Verlag ein großartiger Wurf gelungen. Aber eine solche Aussage sollte natürlich auch belegt werden. Betrachtet man dazu die »14 historischen Miniaturen« zweigeteilt in Form und Inhalt, sollte diese Urteil schnell deutlich werden. Der Urtext bestand im Jahre 1927 ursprünglich aus nur fünf kurzen, historischen Geschichten, die posthum 1943 um sieben erweitert worden sind, dazu zuzüglich 2 weitere, die 1940 in englischer Sprache erschienen. Von Cicero, über Waterloo bis hin zur Eroberung des Südpols und Lenis Rückkehr nach Russland, spannt der …

Zersplitterte Identität, zersplitterter Roman: Daniel Kehlmanns Ruhm

Eine ältere Dame begibt sich auf ihrem letzten Weg in die Schweiz, um sich ein Medikament zum Sterben geben zu lassen. So kurz vor das Ende ihrer Existenz gestellt, fleht sie den Erzähler um Gnade an. Derselbe Erzähler, der vorher noch als bekannter Autor, Neurotiker und Liebhaber porträtiert wird. Derselbe Liebhaber, der eine Affäre mit einer ruhmreichen Frau hat, die sich am Ende fragen wird, ob sie nur Kopie einer Romanschöpfung, reine Fiktion oder doch real ist. Schon oft wurde in den letzten Jahren der Versuch unternommen, die Fragen nach Identität, nach Wirklichkeit, kurz die Grundfragen der Philosophie, in einem Roman zu thematisieren. Auch die Gefahren der neuen Medien, der Sozialen Netzwerke und der allgegenwärtigen Sichtbarkeit wurde schon oft in dystopischer Weise auf den Markt gebracht. Und doch konnten beide Versuche mehr durch Handlung und Spannung punkten, als durch die Fragen als solche. Es gelingt diesem Roman, beides in Zusammenhang zu bringen. In sechs weiteren kurzen Geschichten erschafft Kehlmann Figuren, die scheinbar wahr-und zusammenhangslos auftreten. Durch feine Hinweise sind sie aber stattdessen so miteinander verwoben, …

Ein mögliches Leben – Hannes Köhler

Bis ich mein Rezensionsexemplar bekomme, durfte ich schon einmal in die Leseprobe von „Ein mögliches Leben“, ein neuer Roman von Hannes Köhler, hineinschauen. Ich habe meinen ersten Vorgeschmack einmal kurz festgehalten: https://www.vorablesen.de/buecher/ein-moegliches-leben Wenn der Inhalt des Buches den Leser nicht anziehen kann, dann kann es doch das Cover, spätestens aber die ersten Zeilen im Buch selbst. Scheint die Geschichte nur wieder eine der Kriegsdramen zu sein, eine Geschichte der Familien die am Alltag zerbrechen und durch Erkenntnisse der Vergangenheit eine andere Perspektive erlangen, so muss man dem Roman nach dem ersten Zeilen eines zugestehen: Der Autor schafft es durch ein literarisches Können den Leser in die Geschichte zu ziehen, schafft es vielleicht sogar historisch nicht interessierte Leser zu fesseln und sich auf die Geschichte der Großvater-Enkel Beziehung einzulassen, kurz ein Generationsroman zu entwickeln. Ein Leseversuch sollte also allein schon aufgrund des Schreibstils, der Anordnung der Erzählung und eines interessanten Blickwinkel der Generationen gewagt werden.

Dezemberbücher

Mein erster Literaturmonat auf dem Blog ist da! Hier seht ihr die Bücher, die ich im Dezember gelesen habe – kurz und knapp rezensiert: Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara #einwenigleben – #hanyayanagihara Kurz und Knapp reicht bei diesem Buch nicht. Ihr findet eine Rezension über Ein wenig Leben. Tyll – Daniel Kehlmann #tyll – #danielkehlmann Wohl eines der besten Werke im Dezember. Tyll von Kehlmann wurde oft verkannt, kann aber gerade durch seine Zerissenheit in Text, Sprache und Protagonisten ein Bild der Zeit aufzeigen und den Leser in die Metaebenen mitziehen. Eure Väter – Dave Eggers #EureVäter […] – #daveeggers Eine Enttäuschung war der kurze Roman Eggers. Hat der Autor es sich sprachlich schon sehr leicht gemacht, galt gleiches für seine Themen, die keinerlei Standpunkte, vielmehr ausgetretene Phrasen wiedergaben. Ausgeliefert – Jane Elliot #ausgeliefert – #janeelliot Ein Bericht über die Grausamkeiten einer Kindheit. Ein sogenannter Schicksalsroman, der durch seine Klarheit und nicht durch Voyerismus zur Quälerei die Leser anzieht, sondern Wege aus dem Trauma darstellt und Aufklärungsarbeit betreibt. Schwer ertragbar und dennoch ein wichtiges Buch. Ich treffe dich zwischen den Zeilen – …

Michel Houellebecq – In Schopenhauers Gegenwart |

Ein neuer Houellebecq ohne Skandal ist kaum vorstellbar. Keine Sexismus-, Religions-, und Islamdebatte erwartet einem im neuen Buch des Bestsellerautors. Und doch lässt sich in der kurzen Hommage an dessen Lieblingsphilosophen Schopenhauer ein neuer Blick auf den Autor selbst werfen. In der Abhandlung, die nicht viel mehr als eine grobe Auswahl Schopenhauerszitate umfasst, werden die sonst so misanthropischen Figuren Houellebecq und Schopenhauer beidesamt menschlicher. Ein Blick hinter die Grausamkeit des Menschen wird erhascht und die darausfolgende Suche nach dem Schönen, das nicht zwangsläufig menschlich sein muss. Viel mehr will der Autor dieses Buches nicht vermitteln: Da gibt es einen Weg jenseits der hochgeschätzen Humanität. Empfehlenswert ist das Buch wohl höhstens für zwei exklusive Kreise: Philosophisch interessierte Vielleser und Fans Houellebecqs. Für alle anderen ist das Buch zu kurz, zu brüchig, zu zusammenhangslos und zu oft mit sexuellen Anspielungen durchzogen, die absolut verzichtbar sind, aber dennoch zum Image des Autors passen.