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Vom Zwang der Freiheit – Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Nach ihrem Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ und dem Erzählband „Muldental“, erschien im Frühjahr im @diogenes.verlag das neue Buch von Daniela Krien „Die Liebe im Ernstfall“, von dem man nicht recht sagen kann, ob es sich um einen Roman oder eine Sammlung von Kurzgeschichten handelt. Die Lebensausschnitte der fünf Frauen werden von einer Erzählerstimme eng und doch fein verwoben, bleiben aber eigenständige Geschichten, die nach Wochen noch zum Nachdenken anregen, so dass die Frage des Buchformats schnell in den Hintergund rückt. Erscheint das Buch auf dem ersten Blick als eine Erzählung verschiedener Leben mit ihren Rückschlägen, birgt Kriens Buch auf dem zweiten Blick mehr als bloße Darstellungen der Liebe und ihrer Hindernisse. Es ist ein stilles und dennoch gewaltiges Werk, das sich mit dem Zwang der Freiheit auseinandersetzt. Dabei sind die Erzählungen der Frauen keine Sammlung von leeren Geschichten. Sie ergeben sowohl Einzeln als auch in ihrer Gesamtheit ein Bild von einer Gesellschaft mit in sich zerissenen Menschen. Prototypisch wird aufgezeigt, wie einem Idealbild von Liebe, Familie und Zusammengehörigkeit in einer Zeit des …

Susanne Mierau: Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden – Das Werk zum Blog Geborgen Wachsen

„Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet nicht, jeden Trend von ‚Stoffwindeln‘ über ‚Breifrei‘ bis ‚Kinderwagenverzicht‘ mitmachen zu müssen. Es bedeutet auch nicht, sich selbst aufzugeben und die Bedürfnisse des Kindes immer in den Vordergrund zu stellen. Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet vor allem, das Kind wahrzunehmen, auf seine Signale richtig und angemessen zu reagieren.“ Ein Jahr nachdem beim Kösel-Verlag das Buch „artgerecht. Das andere Babybuch.“ von Nicola Schmidt erschien, brachte Susanne Mierau 2016 das Buch zu ihrem Blog heraus. „Geborgen wachsen: Wie Kinder glücklich groß werden.“ erscheint auf dem ersten Blick nur als eine kürzere Variante von Nicola Schmidts Buch zu sein. Doch das würde sowohl dem Buch, als auch der Autorin sowie der Leserschaft des Blogs nicht gerecht werden. Susanne Mierau betreibt seit 2012 einen Blog, vielmehr ein Online Magazin, in dem sie sich mit Fragen der sicheren Bindung, der bedürfnisorientierten Elternschaft und dem Attachment Parenting beschäftigt. Auf der Website findet man folgende Beschreibung zu Attachment Parenting: „Das amerikanische Ehepaar Martha und William Sears haben den Begriff ‚Attachment Parenting‘ geprägt für die besondere Form, wie sie Elternschaft gelebt haben/leben …

Nicola Schmidt: artgerecht. Das andere Baby-Buch – Das Standardwerk zur bedürfnisorientierten Elternschaft

Nicola Schmidt, gelernte IT-Sicherheits-Expertin, begann ihren „artgerecht“- Weg nachdem ihr Umfeld immer nervöser zu werden drohte. Nach einer spontanen Frühgeburt, ohne ausgestattet zu sein mit den üblichen Babyutensilien, stillte Nicola Schmidt ihr Baby nach Bedarf, ließ es zusammen mit ihrem Mann im gemeinsamen Bett schlafen und trug es die meiste Zeit. Das Kind wuchs ohne Kinderbett, Babyphon, Fläschchen und Fertigwindeln auf. Was bei vielen Menschen als Beginn einer Tryannenherrschaft des Kindes angesehen und bei einigen Familienmitgliedern mit besorgten Mienen beobachtet wurde, war für Schmidt ein natürlicher und artgerechter Weg und der Anfang für die Wissenschaftsjournalistin diese Phänomene näher zu untersuchen. Sie suchte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, Studien und Büchern und fand die Bestätigung. Auf ihrer Website schreibt sie: „ Mein Rat heute: Vergessen Sie die langen Erstausstattungslisten. Sie brauchen den meisten Kram nicht. Sie als Eltern sind kompetent, klug und voll ausgestattet, um ein Baby großzuziehen. Denn ihr Baby braucht nachweislich in erster Linie Wärme, feinfühlige, umgehende Reaktionen und ganz viel Nähe zu seinen Bezugspersonen.“ Schaut man sich auf den bekannten Social Media Plattformen um, liest …

Gesellschaftsfragen treffen auf Dorfgemeinschaft – Juli Zehs Unterleuten

Ein Dorf zwanzig Jahre nach der Wende. Nicht unweit von Berlin und doch weit genug entfernt, um einen anderen Schlag Mensch anzutreffen. Das auf jeden Fall scheint die feste Überzeugung der zugezogenen Berliner zu sein, der Wessis, wie die Unterleutner sagen würden. Ein Dorf in Brandenburg, Ostdeutsche, die hängen geblieben sind, Menschen, die unweigerlich miteinander verbunden sind. Durch Gefälligkeiten, Liebschaften, durch alte Feindschaften und Kriege – in einem Roman Juli Zehs – ebenso durch einen ungeklärten Mord, der vor zwanzig Jahren geschehen sein soll. Die große Dorfidylle, das wünschen sich die Zugezogenen, so zumindest der ehemalige Professor, der die Grünen in Berlin mitgegründet hatte und nun vor Langeweile und Missachtung flieht. Zusammen mit seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau und dem Neugeborenen, an das sie sich klammert, wie an einem Strohhalm. Der Ort um Geschäftsideen wahrwerden zu lassen, das denkt sich die zielstrebige Pferdenärrin, die . Sie klammert sich an diese Idee, ebenso wie die Frau des Umweltschützers an das Kind. Das sind die Neuen. Beherrscht wird das Dorf allerdings nur von einem: Gombrowski, Sohn der …

Der jahrzehntelange Briefwechsel zwischen Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre

Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre zwischen Philosophie und Banalität – Es ist der Blick hinter die großen Philosophen des Existentialismus. Die Veröffentlichung der Briefe Simone de Beauvoirs an Jean-Paul Sartre und Sartres Briefe an de Beauvoir sollten ein Skandal werden. Nicht nur die Regelmäßigkeit der Briefe überrascht, mehr erscheint Simone de Beauvoir in einem neuen Licht – abseits der entstandenen Idealisierungen. Die pedantische Entschlüsselung ihres banalen Alltaglebens, zwischen Cafes, Hotelzimmern und Einkäufen, brachte, neben den Liebesbeteuerrungen zu Sartre, der Frontfrau des Feminismus, keinen erneuten Ruhm ein. Gedanken zur Philosophie und zum Krieg sucht man bis zur letzten Seite. Doch all dies brachte wohl noch keinen Skandal zu Tage. Es war vielmehr die Lüftung der Geheimnisse, die sich um den „Mythos Sartre und de Beauvoir“ gelegt haben, – Die Schattenseiten des bekannten Paktes, die Verletzungen der Nebenpersonen und die Bisexualität, um die Simone de Beauvoir Zeit ihres Lebens ein Geheimnis gemacht hat. Doch sind diese Briefe keineswegs enttäuschend. Sie legen nur das entstandene Klischee um die Philosophen beiseite und ermöglichen einen Blick auf ein Leben, …

Hannah Arendts Denktagebücher

Über Jahre sammelte Arendt ihre Gedanken in Schreibheften, in denen sie sich über die Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart ebenso Gedanken machte wie über das philosophische Ausmaß des Liebesbegriffes. Ihre 28 vollständig erhaltenen handschriftlichen Hefte wurden bewusst als Denktagebücher konzipiert und wurden im letzten Jahr nun noch einmal in einer neuen zweibändigen Taschenbuchausgabe vom @Piperverlag herausgegeben. Der Leser findet nicht nur Methodik und Denkvorgänge in dieser Ausgabe, sondern stößt auch auf die – viel zu selten in der Öffentlichkeit gewürdigte – Dichtung Arendts, die sich zwischen Gedanken zum Denken und Handeln und der Auseinandersetzung mit Heidegger einreiht. Das für Arendt zentrale Thema der Politik ist natürlich auch in den Denktagebüchern präsent. Nicht nur der Weg zur politischen Theoretikerin, als die sie sich bezeichnete, ist nachvollziehbar, sondern vor allen Dingen die jahrelange Auseinandersetzung mit dem Menschen als das „zoon politikon“ -; stellt doch Politik für Arendt eben kein gesellschaftliches Machtspiel dar, sondern vielmehr die Grundform des menschlichen Miteinanders, welches auf der Pluralität – im weltlichen Zwischen – beruht. In diesem „Zwischen“ können sich Menschen …