Alle Beiträge, die unter Klassiker der Woche gespeichert wurden

Franz Kafka – Die Verwandlung

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ – dieser bekannte erste Satz der Weltliteratur leitet die nüchterne und sachliche Erzählung über eine Ausnahmesituation ein. Der Protagonist Gregor Samsa schildert selbst in drei Erzählabschnitten seine Verwandlung, das Zusammenleben als Ungeziefer im Hause der Familie und die fortschreitenden Isolierung mit seinem Niedergang. „Die Verwandlung“ von Franz Kafka wurde 1912 geschrieben und 1915 erstmals veröffentlicht. Sie ist somit die längste und wohl bekannteste Erzählung Kafkas, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht worden ist. Bis heute bietet sie Raum für verschiedenste Interpretationsansätze. Der Herausgeber seiner Werke Hans Brod legte Kafkas Werke religiös aus und sah auch in diesem Werk religiöse Motive. Die psychoanalytische Auslegung der Werke durch die Freudianer, die in der Novelle einen Vater-Komplex sehen, ist ebenso verbreitet, wie eine soziologische Deutung der Familie Samsa. Nicht abzustreiten ist, dass der Protagonist sich an eine Normalität klammert, während vor seinen Augen die Fassade der heilen Familienwelt zu bröckeln beginnt. Erst durch die Verwandlung wird das Konstrukt der …

Erich Kästner – Fabian

Erich Kästners Roman „Fabian. Geschichte eines Moralisten“ spielt mit dem Genre des konventionell angelegten Großstadtromans der Neuen Sachlichkeit, indem er die Gedanken eines Angestellten in Berlin vor der Machtergreifung Hitlers fokusiert und einen ernüchternden Blick auf Mensch, Politik und Zeit wirft. Er erschafft damit den sog. Angestelltenroman, der sich als Nebengenre erst in der Weimarer Republik etablieren konnte, auch wenn Romane und Erzählungen des Naturalismus schon einfache Menschen im beruflichen Umfeld betrachteten. Im Fabian ist hingegen nicht nur die Verbindung des Angstelltendaseins mit dem Leben in der Großstadt literarisch neu. Durch die Sozialisierung vor dem 1.WK tritt die Figur des Angestellten erstmals literarisch relevant auf. Die wirtschaftlichen Umwälzungen i.d. Weimarer Republik veränderte die Erwerbsstruktur der Autoren, die nun – wie Erich Kästner – aus eigener Erfahrung das Angestelltenleben mit all den Unsicherheiten in den Fokus rücken konnten. Somit zeigt sich der Angestellte selbst in der Verrohung der Zeit, die von der Unsicherheit in Hinblick auf die eigene Lebensführung, geprägt war. Auch in seiner gekürzten Fassung (die ungekürzte Originalfassung erschien erst im Jahr 2013 unter dem …

Georg Büchner – Dantons Tod

Die Französische Revolution im Jahr der Schreckensherrschaft 1794 – Georg Büchner nimmt sich 1835 einer historischen Figur und seines Schicksals in „Dantons Tod“ an und unterstreicht mit diesem Drama seinen literarischen Auftrag über die Missstände aufzuklären, ohne dabei Fragen über Freiheit des Individuums und dessen Handlungsmöglichkeiten in der Geschichte auszulassen. Georg Büchner ist Schriftsteller des Vormärzes – jener entgegengesetzten Bewegung der polit. resignierten Biedermeierzeit, die sich wieder vermehrt des politischen Auftrags der Kunst annimmt und auf die Missstände der Zeit eingeht -. In „Dantons Tod“ setzt er sich mit seinem „Geschichts-Fatalismus“ auseinander, in dem er die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber der Geschichte formuliert. In dem vieraktigen Drama thematisiert Büchner (in Rückgriff auf hist. Quellen) die Umwälzungen der Revolution. Die Freilassung der Vernunft schlägt in Gewalt um, die Protagonisten zweifeln und fühlen Einsamkeit zwischen Idealismus und Nihilimus. Büchner fängt das Lebensgefühl der Sinnlosigkeit trotz Freiheit und Macht ein und erschafft das Bild eines modernen Menschen, der Freiheit nur in Form von Befreiung der Ketten sieht, dabei sein triebhaftes Wesen und seine Natur vergisst und somit in …

E.T.A. Hoffmann

◾Schwarze Romantik◾E.T.A. Hoffmann prägte die sog. Schwarze Romantik, die sich noch mehr von der Rationalität der Aufklärung abwandte und sich mit dem Okkulten und Dunklen der menschlichen Existenz beschäftigte. Das Werk „Die Elixiere des Teufels“ lässt einen exemplarischen Einblick zu, doch auch im Werk „Der Sandmann“ verschwimmen eindrücklich die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Radikal wird von den Schattenseiten des menschlichen Daseins erzählt, in die Psyche eingedrungen und mit den neuen Errungenschaften – Technik und medizinische Erkenntnisse – gespielt, ohne dabei die Ängste der Zeit außen vor zu lassen. Geprägt von der „gothic novel“ aus England und beeinflusst von Romantikern und Ärzten, lässt Hoffmann psychiatrisches Wissen, Eskapismus und Phantastik mit den Motiven des Bösen, des Todes und Wahnsinns miteinander verschmelzen. Seine ersten Romane lassen das Selbst erscheinen und spiegeln die eigenen, inneren Abgründe wider, bis sie schließlich in die 1819-1821 veröffentlichte Sammlung „Die Serapionsbrüder“ münden, in der auch „Das Fräulein von Scuderi“ erschien. Wieder wird ein inneres Bild eingefangen und nach außen übertragen, so dass vordergründig spannende Kriminalgeschichten entstehen, die aber die Frage nach dem …