Kurzrezensionen



Die Macht der Sprache: Joseph Luzzis autobiografischer Roman „In einem dunklen Walde“

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In dem autobiografischen Werk „In einem dunklen Walde“ von Joseph Luzzi kommt eines ganz deutlich zum Vorschein: Die Macht der Poesie, die Macht der Worte in und nach dramatischen, wenn nicht sogar traumatischen Situationen. Joseph Luzzi ist glücklich verheiratet, unterrichtet und lehrt über die Kultur und Literatur Italiens und erwartet mit seiner Frau sein erstes Kind. Seine Welt gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass seine Frau einen tödlichen Unfall hatte:

„Die Worte kamen von irgendwoher aus der Nähe, aber sie klangen gedämpft, als wären sie durch andere Dimensionen zu mir gekommen. Zeit und Raum krümmten sich um mich. Ich betrat den dunklen Wald.“

Findet seine Tochter noch mit einem rettenden Kaiserschnitt ins Leben, so kann Jopseph Luzzi weder trauern noch begreifen, was passiert ist. Er betrat den dunklen Wald und fand zu Dante Alighieri, welcher in seiner „Göttlichen Komödie“ ebenso in die Dunkelheit eintrat. Luzzi stürzt sich in seine Forschungen, auf der Flucht vor der Trauer und zugleich in seiner Trauer einen Weg suchend, aus dieser herauszufinden. Wie er es durch Poesie geschafft hat, davon erzählt er in seinem Werk und nimmt den Leser zugleich mit auf seine Reise, eine Reise zu Dante, seiner „Göttlichen Kommödie“ und der Trauerbewältigung. Ein persönlicher Roman, in dem mehr steckt, als auf dem ersten Blick zu sehen ist. Zugleich ein Sachbuch, welches in die italienische Literatur führt. Aber vor allem ein wichtiges Buch für alle, die sich auf der Flucht vor Trauer, Schmerz und Bewältigung befinden. Denn eines bleibt am Ende: Die Macht der Sprache, wenn eigene Worte noch nicht gefunden worden sind.


Vielen Dank an die Verlagsgruppe RandomHouse für dieses Rezensionsexemplar



Alois Prinz, „Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt“ Die Lebensgeschichte der Hannah Arendt

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Hannah Arendt hat politisches Denken und Handeln miteinander verbunden. Denn sie wusste genau, dass Philosophie und Politik zwei Bereiche sind, die sich diametral gegenüberstehen stehen. Im bekannten Interview mit Günter Graus sagte sie einmal: „Ich fühle mich keineswegs als Philosophin.“ Alois Prinz bietet mit seiner kleinen Biografie eine gute Einstiegslektüre, die es gerade neuen Lesern von Arendt ermöglicht, die Lebensgeschichte der Denkerin zu verstehen, die unmittelbar mit ihrem Werk verbunden ist. Als deutsche Jüdin musste sie schon früh ins Exil und fand ihre neue Wohnstätte schließlich in Amerika. Umstände, die sie zeitlebens mit Entschiedenheit auf gesellschaftspolitische Ereignisse reagieren ließen. Die enge Verbindung zu Persönlichkeiten wie Heidegger, Jaspers und Benjamin, werden gleichermaßen von Prinz beleuchtet, stellten sie nicht nur eine wichtige Verbindung zu ihrer Heimat dar, sondern prägten auch ihr gesamtes Denken. Ein „Denken ohne Geländer“, wie es ihr immer wichtig war, ermöglicht auch die Lektüre von Prinz, denn sie bietet eine passende Einführung, die anregt weiterzudenken und Arendts Werke zur Hand zu nehmen.



 

Christian Kracht, Faserland

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Im Roman Faserland von Christian Kracht ist die Leere das dominierende Element. Die Problematik bei der Herausstellung dieses Sachverhalts liegt vor allem in der naturgemäßen Nicht-Sichtbarkeit der Leere. Die umfassende Nicht-Funktion sozialer Beziehungen, die das prägendste Merkmal des Romans ist, ist nicht nur auf die Brüchigkeit dieser Interaktionen zurückzuführen, sondern durch die Leere, die im Protagonisten selbst begründet ist. Alle weiteren Nicht-Funktionen sind nur die Folge einer postmodernen Zerfaserung, die mit dem Begriff der Entfremdung erklärt werden kann. Die ironische Distanziertheit zu allem und jedem überbrückt nicht mehr eine Unsicherheit, sondern sie ist Habitus geworden.
Freundschaften, Liebe, Familie und auch Geschichte bedeuten im Grunde nichts mehr und es gibt nicht nur keinen Versuch, diesen Zustand zu ändern, sondern der Versuch der Änderung wäre grundlegend lächerlich, da sich die Protagonisten des Romas in der Moderne befinden und in dieser gefangen sind.

Christian Kracht

Faserland

FISCHER Taschenbuch – Broschierte Ausgabe – 165 Seiten



Ernst Jünger, Auf den Marmorklippen

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„Wir sind in einer Zeit geboren und müssen tapfer den Weg zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Es gibt keinen anderen. Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor seinem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuvs vergessen hatte, ihn abzulösen.“ – Oswald Spengler Amor fati.… Das (unerbittliche) Schicksal zu lieben, das über den Einzelnen hinweg geht und seinen eigenen Sinn erfüllt. Diese Grundstruktur geschichtsphilosophischen Denkens ist vielleicht einer der Schlüssel, um die Werke Ernst Jüngers richtig einordnen zu können. Der Einzelne, der nicht die Möglichkeit hat, das Schicksal zu wenden und dennoch in diesem leben muss, der zwar beobachten, aber nicht verhindern kann, dies alles sind Grundmotive in Jüngers „Auf den Marmorklippen“ Die inhärente Gewalttätigkeit dieses Vorgangs, des Nicht-Aufhaltens der Geschichte, kippt schließlich in reale, manifeste Gewalt und letztendlich in die Revolution.

 

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