Kurzrezensionen

Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre zwischen Philosophie und Banalität

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Es ist der Blick hinter die großen Philosophen des Existentialismus. Die Veröffentlichung der Briefe Simone de Beauvoirs an Jean-Paul Sartre und Sartres Briefe an de Beauvoir sollten ein Skandal werden. Nicht nur die Regelmäßigkeit der Briefe überrascht, mehr erscheint Simone de Beauvoir in einem neuen Licht – abseits der entstandenen Idealisierungen. Die pedantische Entschlüsselung ihres banalen Alltaglebens, zwischen Cafes, Hotelzimmern und Einkäufen, brachte, neben den Liebesbeteuerrungen zu Sartre, der Frontfrau des Feminismus, keinen erneuten Ruhm ein. Gedanken zur Philosophie und zum Krieg sucht man bis zur letzten Seite. Doch all dies brachte wohl noch keinen Skandal zu Tage. Es war vielmehr die Lüftung der Geheimnisse, die sich um den „Mythos Sartre und de Beauvoir“ gelegt haben, – Die Schattenseiten des bekannten Paktes, die Verletzungen der Nebenpersonen und die Bisexualität, um die Simone de Beauvoir Zeit ihres Lebens ein Geheimnis gemacht hat.
Doch sind diese Briefe keineswegs enttäuschend. Sie legen nur das entstandene Klischee um die Philosophen beiseite und ermöglichen einen Blick auf ein Leben, das abseits der Konventionen geführt wurde und doch konventionell sein musste.
@rowohltverlag


Hannah Arendts Denktagebücher

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Über Jahre sammelte Arendt ihre Gedanken in Schreibheften, in denen sie sich über die Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart ebenso Gedanken machte wie über das philosophische Ausmaß des Liebesbegriffes. Ihre 28 vollständig erhaltenen handschriftlichen Hefte wurden bewusst als Denktagebücher konzipiert und wurden im letzten Jahr nun noch einmal in einer neuen zweibändigen Taschenbuchausgabe vom @Piperverlag herausgegeben. Der Leser findet nicht nur Methodik und Denkvorgänge in dieser Ausgabe, sondern stößt auch auf die – viel zu selten in der Öffentlichkeit gewürdigte – Dichtung Arendts, die sich zwischen Gedanken zum Denken und Handeln und der Auseinandersetzung mit Heidegger einreiht. Das für Arendt zentrale Thema der Politik ist natürlich auch in den Denktagebüchern präsent. Nicht nur der Weg zur politischen Theoretikerin, als die sie sich bezeichnete, ist nachvollziehbar, sondern vor allen Dingen die jahrelange Auseinandersetzung mit dem Menschen als das „zoon politikon“ -; stellt doch Politik für Arendt eben kein gesellschaftliches Machtspiel dar, sondern vielmehr die Grundform des menschlichen Miteinanders, welches auf der Pluralität – im weltlichen Zwischen – beruht. In diesem „Zwischen“ können sich Menschen überhaupt erst begegnen. Diese Bücher bringen einem die Vielschichtigkeit des arendtschen Denkens näher. Ein Denken, welches nie den Menschen aus den Augen verlor.


Hermann Hesse: Ausgewählte Briefe

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„Ich habe sehr viele Tausende von Briefen geschrieben, ohne je daran zu denken, Abschriften zurückzuhalten. Erst seit dem Zusammenleben mit meiner Frau von 1927 an haben wir gelegentlich Briefe aufbewahrt, deren Thema uns charakteristisch schien oder in denen wir ein Problem von allgemeinem Interesse besonders genau formuliert fanden.“ Diese Worte schrieb Hesse 1952 im Nachwort zur zweiten Auflage dieses Buches. In der selbst getroffenen Auswahl an Briefen bekommen wir einen bemerkenswerten Einblick in Werk und Person Hermann Hesses, der sich aber nicht nur auf biografische Fakten beschränkt. Vielmehr wird ein Überblick und die persönliche Stellung Hesses zum Zeitgeschehen, zur Politik, zur Religion und selbstverständlich zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft – wie wir es nur zu gut aus seinen Werken kennen – gegeben. Ob Hesse nun einer Doktorandin der Philosophie die Lehre von der Erlösung, vom Weg zum Nirwana erklärt, oder mit viel Geduld einem jungen Realschüler das Verhältnis von Theologie und Philosophie anhand vom „Demian“ näher bringt – der Adressat bleibt dabei stets entbunden von seiner Stellung und tritt als Fragender in den Mittelpunkt. Hieraus wird ein Reichtum an Menschenkenntnis und Lebensweisheit ersichtlich, der uns eben nicht nur die Charakter Hesses aufzeigt, sondern eindrücklich sein ganz persönliches Interesse am Zeit- und Weltgeschehen wiedergibt. Die ausgewählten Adressaten bleiben dabei genauso interessant, wie jede einzelne Briefpassage. Von Erika Mann, über Auseinandersetzungen und Korrespondenzen mit namemhaften Verlagen, bis hin zu „einem jungen Menschen, der mit dem Heimweh nach seiner verlorenen Heimat im deutschen Osten nicht fertig wird“ findet sich eine ungemeine Vielfalt in dieser Auswahl. Unbedingte Leseempfehlung


Brief an den Vater – Franz Kafka

img_20180312_192121_3485324948100496161194.jpgDie Literaturwissenschaft streitet bis zum heutigen Tag über die Einordnung dieses Textes. Doch ob Literatur oder biografisches Zeugnis, eines ist wohl ohne Frage bei Kafkas „Brief an den Vater“ festzustellen. Es handelt sich um eine schriftliche Lebensanalyse, die eine Auseinandersetzung mit Angst, Zweifel und den inneren Kampf von Kafka und dessen Vater aufzeigt. Das stete Wechselspiel von Anklage und Wehklage, von Vorwürfen und gleichzeitiger Negation der Vorwürfe mit Verweis auf die eigene schwache Natur, spiegeln allerdings die literarische Raffinesse des Textes wider. Hier werden Perspektivwechsel und Übertreibungen eingesetzt, um ein analytisches Spiel aus Verdeckung und Aufdeckung zu kreieren, ob dieses Spiel an Kafka selbst oder an den Leser gerichtet ist, scheint dabei bedeutungslos. Es bleibt ein Text, der den inneren Kampf zwischen familiären Machtverhältnisse und den Auswirkungen auf das Eigene zu beleuchten versucht.


Sophie Scholl im Briefwechsel mit Fritz Hartnagel – Eine Freundschaft 1937-1943

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Vor ein paar Jahren fiel mir „Hoffentlich schreibst Du recht bald“ in die Hände. Eine Auswahl der Briefe zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel, die neben der Freundschaft der beiden und den Alltag im Krieg vor allem den inneren Kampf Sophie Scholls aufzeigen. Zwischen kurzen Briefausschnitten erscheinen immer wieder Bilddokumente und ausführliche Erklärungen, die durch eine einfach und prägnante Sprache vor allem auf junge Leser ausgerichtet sind. Dennoch bleibt der Autor seiner Aufgabe treu und schafft den schmalen Grad zwischen einer politischen und privaten Darstellung, versäumt es aber dennoch nicht darzustellen, dass für die Protagonisten eine Trennung zwischen politischen Gedanken und privaten Angelegenheiten immer schwieriger wurde. Vinke hat eine gut recherchierte Einstiegslektüre geschaffen, die trotz der Schwere des Themas nicht an der Oberfläche bleibt und gleichzeitig keine einseitige Sicht vertritt, sondern vielmehr die Zweifel und Ängste, das ringen mit der Ideologie und den Bezug zum Privaten aufzeigt. Dies konnte er vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit der Familie Scholls und Hartnagels schaffen, die den Nachlass Sophie Scholls verwalten. Somit ist dieses Buch auch für ältere Leser eine ausreichende Dokumentensammlung, die anregen kann „Sophie Scholl/Fritz Hartnagel. Damit wir uns nicht verlieren. Briefwechsel 1937-1943“. zur Hand zu nehmen. Herausgegeben wurde dieser Briefwechsel vom Sohn Fritz Hartnagels und dessen Frau Elisabeth Scholl – der Schwester Sophie Scholls.


Goethe und Schiller. Zwei Biografien von Rüdiger Safranski

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Rüdiger Safranski hat schon viele bedeutende Figuren der deutschen Geistesgeschichte porträtiert. Nach E.T.A Hoffmann, Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger, gesellen sich auch Goethe und Schiller zu seinen bekannten Biographien. Wer eine andere Biografie von ihm gelesen hat, weiß, dass Safranski sich elementar von anderen Biographen unterscheidet. Auf Sensationen und spektakuläre Demaskierungen kann man bei ihm lange warten, vielmehr widmet er sich der Persönlichkeit durch einen wissenschaftlichen Zugang und lässt dennoch die Debatten der Zeit nicht aus. Auch mit Goethe und Schiller legt er zwei Biographien vor, die genaue, klar verständliche Zusammenfassungen des Gesamtwerkes in Bezug zur Zeitgeschichte darstellen. So lernen wir nicht nur Figur und Werk kennen, sondern tauchen auch in die zeitgeschichtlichen Umstände und die Ideengeschichte des Umfelds ein. Eine absolute Leseempfehlung bekommt Ihr somit nicht nur für diese beiden Werke, sondern auch für all seine anderen Biographien.


Delphine de Vigan: „Nach einer wahren Geschichte“

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„Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine de Vigan spielt nicht in den klassischen Kategorien von Realität und Fiktion, auch wenn der Titel dies vermuten lässt. Als die Protagonistin des Romans Delphine de Vigan die Ghostwriterin L. kennenlernt, verschwimmt nicht nur für den Leser der Ausruf „Nach einer wahren Geschichte“. Auch für die Schriftstellerin im Roman ist keine klare Grenze mehr zwischen eigener Identität und der unbekannten L. wahrzunehmen, denn L. schreibt nun in ihrem Namen und beginnt ein Spiel mit Delphine. Ein Spiel aus Identitätsfragen und Wirklichkeit wird auch von der realen Delphine de Vigan mit ihrem Leser gespielt. Es ist ein Roman, der über die Macht der Worte erzählt, der aufzeigt, dass in einer Welt, in der nur noch #Fakten zählen, keine Fakten ohne Täuschungen mehr möglich sind. Letztendlich ist es ein Roman, der den Leser seinen eigenen voyeristischen Hang zur absoluten Durchleuchtung vor die Augen führt: „Es ist ein Spiel zwischen den Leser und mir. Ich möchte, dass sie genau darüber nachdenken: wieso möchte ich nur wahre Geschichten lesen? Wieso interessiert mich das Dokumentarische mehr als Fiktion?“ sagt die reale de Vigan.



Juli Zehs „Neujahr“

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Nach ihren letzten zwei erfolgreichen Gesellschaftsromanen, legte #JuliZeh im letzten Jahr mit „Neujahr“ einen Familienroman vor, der es nicht versäumen durfte, gesellschaftliche Fragen aufzuwerfen und komplexe politische Statements zu diskutieren. Mit ihrem geschaffenen Narrativ des überforderten Familienvaters, der sich an der Gleichberechtigung so lange aufreibt, bis ihm die ganze Tragweite seines Lebens bewusst wird, versucht Juli Zeh in einem neuen Format gesellschaftliche Fragen zu beleuchten. Doch kommt dieser Roman zu offensichtlich daher und kann der Komplexität der aufgeworfenen Fragen nicht gerecht werden. Wie schon zuvor, schafft Juli Zeh es aber mit literarischer Leichtigkeit ein beklemmendes Gefühl der eigenen Verantwortung hervorzurufen, aus der man sich kaum befreien kann. Am Ende erscheint einem das Panorama aus Psychologie, verdrängter Erinnerung, Trauma, Verantwortung, Gleichberechtigung und Überforderung doch zu aufgesetzt, um wirklichkeitsnah zu bleiben



Matt Ruffs „Ich und die Anderen“

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Andrew Gage leidet an einer multiplen Persönlichkeitsstörung (DIS – Dissoziative Identitätsstörung), hat es aber durch jahrelange Therapie geschafft, für sich und die Anderen, die Ich-Abspaltungen, ein imaginäres Haus in seinem Kopf zu bauen, um dem ständigen inneren Chaos eine Struktur zu geben. Als Penny in sein Leben tritt, werden nicht nur seine Fundamente erschüttert, denn Penny ist ebenfalls multipel – sie weiß es nur noch nicht.
Ruff versteht es mit liebevollem Witz, Verständnis und Einfühlungsvermögen ein Thema anzusprechen, was für alle Betroffenen unsagbar ist und Außenstehende nur unbeteiligt, wenn nicht sogar unverständlich daneben stehen lässt. Ich und die Anderen, ein Roman über schwerste Kindheitstraumata und die dadurch ausgelöste Dissoziative Identitätsstörung. Eine absolute Leseempfehlung, wenn schwere Kost nicht immer (ausschließlich) schmerzlich vermittelt werden und dennoch berühren soll.



Die Macht der Sprache: Joseph Luzzis autobiografischer Roman „In einem dunklen Walde“

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In dem autobiografischen Werk „In einem dunklen Walde“ von Joseph Luzzi kommt eines ganz deutlich zum Vorschein: Die Macht der Poesie, die Macht der Worte in und nach dramatischen, wenn nicht sogar traumatischen Situationen. Joseph Luzzi ist glücklich verheiratet, unterrichtet und lehrt über die Kultur und Literatur Italiens und erwartet mit seiner Frau sein erstes Kind. Seine Welt gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass seine Frau einen tödlichen Unfall hatte:

„Die Worte kamen von irgendwoher aus der Nähe, aber sie klangen gedämpft, als wären sie durch andere Dimensionen zu mir gekommen. Zeit und Raum krümmten sich um mich. Ich betrat den dunklen Wald.“

Findet seine Tochter noch mit einem rettenden Kaiserschnitt ins Leben, so kann Jopseph Luzzi weder trauern noch begreifen, was passiert ist. Er betrat den dunklen Wald und fand zu Dante Alighieri, welcher in seiner „Göttlichen Komödie“ ebenso in die Dunkelheit eintrat. Luzzi stürzt sich in seine Forschungen, auf der Flucht vor der Trauer und zugleich in seiner Trauer einen Weg suchend, aus dieser herauszufinden. Wie er es durch Poesie geschafft hat, davon erzählt er in seinem Werk und nimmt den Leser zugleich mit auf seine Reise, eine Reise zu Dante, seiner „Göttlichen Kommödie“ und der Trauerbewältigung. Ein persönlicher Roman, in dem mehr steckt, als auf dem ersten Blick zu sehen ist. Zugleich ein Sachbuch, welches in die italienische Literatur führt. Aber vor allem ein wichtiges Buch für alle, die sich auf der Flucht vor Trauer, Schmerz und Bewältigung befinden. Denn eines bleibt am Ende: Die Macht der Sprache, wenn eigene Worte noch nicht gefunden worden sind.


Vielen Dank an die Verlagsgruppe RandomHouse für dieses Rezensionsexemplar



Alois Prinz, „Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt“ Die Lebensgeschichte der Hannah Arendt

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Hannah Arendt hat politisches Denken und Handeln miteinander verbunden. Denn sie wusste genau, dass Philosophie und Politik zwei Bereiche sind, die sich diametral gegenüberstehen stehen. Im bekannten Interview mit Günter Graus sagte sie einmal: „Ich fühle mich keineswegs als Philosophin.“ Alois Prinz bietet mit seiner kleinen Biografie eine gute Einstiegslektüre, die es gerade neuen Lesern von Arendt ermöglicht, die Lebensgeschichte der Denkerin zu verstehen, die unmittelbar mit ihrem Werk verbunden ist. Als deutsche Jüdin musste sie schon früh ins Exil und fand ihre neue Wohnstätte schließlich in Amerika. Umstände, die sie zeitlebens mit Entschiedenheit auf gesellschaftspolitische Ereignisse reagieren ließen. Die enge Verbindung zu Persönlichkeiten wie Heidegger, Jaspers und Benjamin, werden gleichermaßen von Prinz beleuchtet, stellten sie nicht nur eine wichtige Verbindung zu ihrer Heimat dar, sondern prägten auch ihr gesamtes Denken. Ein „Denken ohne Geländer“, wie es ihr immer wichtig war, ermöglicht auch die Lektüre von Prinz, denn sie bietet eine passende Einführung, die anregt weiterzudenken und Arendts Werke zur Hand zu nehmen.



 

Christian Kracht, Faserland

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Im Roman Faserland von Christian Kracht ist die Leere das dominierende Element. Die Problematik bei der Herausstellung dieses Sachverhalts liegt vor allem in der naturgemäßen Nicht-Sichtbarkeit der Leere. Die umfassende Nicht-Funktion sozialer Beziehungen, die das prägendste Merkmal des Romans ist, ist nicht nur auf die Brüchigkeit dieser Interaktionen zurückzuführen, sondern durch die Leere, die im Protagonisten selbst begründet ist. Alle weiteren Nicht-Funktionen sind nur die Folge einer postmodernen Zerfaserung, die mit dem Begriff der Entfremdung erklärt werden kann. Die ironische Distanziertheit zu allem und jedem überbrückt nicht mehr eine Unsicherheit, sondern sie ist Habitus geworden.
Freundschaften, Liebe, Familie und auch Geschichte bedeuten im Grunde nichts mehr und es gibt nicht nur keinen Versuch, diesen Zustand zu ändern, sondern der Versuch der Änderung wäre grundlegend lächerlich, da sich die Protagonisten des Romas in der Moderne befinden und in dieser gefangen sind.

Christian Kracht

Faserland

FISCHER Taschenbuch – Broschierte Ausgabe – 165 Seiten



Ernst Jünger, Auf den Marmorklippen

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„Wir sind in einer Zeit geboren und müssen tapfer den Weg zu Ende gehen, der uns bestimmt ist. Es gibt keinen anderen. Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor seinem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuvs vergessen hatte, ihn abzulösen.“ – Oswald Spengler Amor fati.… Das (unerbittliche) Schicksal zu lieben, das über den Einzelnen hinweg geht und seinen eigenen Sinn erfüllt. Diese Grundstruktur geschichtsphilosophischen Denkens ist vielleicht einer der Schlüssel, um die Werke Ernst Jüngers richtig einordnen zu können. Der Einzelne, der nicht die Möglichkeit hat, das Schicksal zu wenden und dennoch in diesem leben muss, der zwar beobachten, aber nicht verhindern kann, dies alles sind Grundmotive in Jüngers „Auf den Marmorklippen“ Die inhärente Gewalttätigkeit dieses Vorgangs, des Nicht-Aufhaltens der Geschichte, kippt schließlich in reale, manifeste Gewalt und letztendlich in die Revolution.

 

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